Am Freitag war es endlich soweit: Extrabreit spielt mit den Hagenern Philharmonikern in Hagen ein Konzert! Herr WMF und ich wollten uns dort treffen. Eigentlich schon vorher, auf dem Pendlerparkplatz in Lüdenscheid-Nord. 19:00 Uhr sollte es soweit sein.
Ich fuhr auch um 18:34 Uhr los, um rechtzeitig dort zu sein. Und was soll ich sagen? Herr WMF rief um 18:37 Uhr an um zu fragen, ob er richtig stehen würde und wo ich denn wohl gerade wäre! Na, unterwegs antwortete ich leicht verwirrt. Treffen war doch für 19:00 Uhr abgemacht! Ja, das wusste er wohl schon. Aber lieber zu früh vor Ort sain als zu spät, woll?
Angekommen in Lünnsche-Nord, lud ich WMF ein, mit mir im Colt (Innenausstattung rot, Schaltknauf Penisleder) zu fahren. Er nahm dankend an. War mir auch lieber, da ich nicht wusste, was sein französisches Mittelklassefahrzeug noch für eine Restwertzeit hat.
Angekommen in Hagen, stellten wir uns sogleich auf einen freien Parkplatz. Praktischerweise befand sich dieser auf dem Gelände der Stadthalle, so dass wir nicht weit laufen mussten. Dann wurde erstmal Geld (40€) gegen Karte getauscht, und es ging in die heilige Halle.
Leider wurden wir an der Kartenkontrolle nicht abgetastet, ein wenig erotische Stimmung hätte uns beiden doch extrem gut getan. Weiter im Inneren der Stadthalle hing an einer Säule ein Ohrstöpselspender. Herr WMF schaute ihn sich interessiert an. Ich erklärte ihm die Funktionsweise des Apparates, und seine Augen leuchteten auf. Ehe ich mich versah, waren seine Taschen voll mit bunten Ohrstöpseln! Darauf angesprochen kam die Aussage: "Ich liebe Dinge, die kostenfrei sind. Da kann ich ganz schwer dran vorbeigehen." Aha.
Weiter hinten im Raum konnte man seine Jacken an der Garderobe abgeben. Wir beobachteten die etwas dickliche Dame mit dem Top, die freundlich die Jacken entgegen nahm. Sie war tätowiert. Auf dem Oberarm. Man konnte aber nichts erkennen, so dass ich Herrn WMF anstichelte, mal näher ranzugehen und zu schauen. Aber auch das brachte nichts. Das Muster war bestimmt vor der Fettabsaugung gross wie das Brandenburger Tor....obwohl die Gute immer noch nicht sehr schlank wirkte.
Wir gingen in die obere Etage in Richtung Saal, und Herr WMF gab ein Getränk aus. An dieser Stelle nochmals ein besonderer Dank an den edlen Spender!
Als es auf 20:00 Uhr zuging, läutete ein Geläut, und wir begaben uns zu unseren Plätzen im Block B, Reihe 12, Plätze 22 und 23. Herr WMF stellte fest, dass auf seiner Karte doch tatsächlich sein Name steht! Ich lies ihn zu einem etwas angegrauten, schräg sitzenden älteren Herren durchrücken und nahm selbst an der Aussenseite der Stuhlreihe Platz.
Dieser etwas angegraute Herr aus dem oberen Absatz machte Herrn WMF jedoch einige Sorgen. Er bewegte sich während des Konzerts nicht, oder nur so langsam, dass man es mit dem menschlichen Auge nicht wahrnehmen konnte. In der Pause erzählte Herr WMF, er hätte seinen Nachbarn anstupsen wollen, weil er ihn für tot (vorübergehend) hielt. Hat er aber nicht getan.
Als erstes kamen die Philharmoniker auf die Bühne. Jedermann applaudierte eifrig. Es wurde still, und der dicke Dirigent dirigierte das erste philharmonische Stück des Abends. Andächtig wurde gelauscht.
Nach diesem Stück kam dann die Band „Extrabreit“ auf die Bühne. Mitreissendes deutsches Kulturgut aus Zeiten der Neuen Deutschen Welle sowie Stücke des allerneuesten Albums „Neues von Hiob“ wurden – ein kleiner Teil solo, grösstenteils zusammen mit dem Orchester- wundervoll interpretiert.
Aber was war das plötzlich? Um 20:40 Uhr kündigte Kai Havaii eine Pause von 20 Minuten an! In mir keimte der Verdacht, dass der zweite Teil des Konzerts ebenso kurz wird. Kai beruhigte uns diesbezüglich jedoch und meinte, das die nächste Hälfte deutlich länger geplant sei. Sein Wort in GottFants Gehörgang!
Also erstmal Pause und wieder Leute gucken. Zwei ältere Damen in der Stuhlreihe links neben uns sahen irgendwie Fehl am Platz aus. Gegen Ende des Konzerts gingen jedoch auch die Ömmakes gut mit ab. Hatten wir uns wohl verschätzt...
21:00 Uhr, das Konzert geht in die zweite Runde. Immer, wenn das Orchester alleine spielt, stehen vorne zwei langhaarige Rocker auf und gehen einen trinken. Jedem halt so wie es ihm gefällt.
Und dann wurde der Bassist von Extrabreit, Lars Larsson, zum Ehrenmitglied der Hagener Philharmoniker ernannt und spielte auf einem klassischen Bass, der so gross wie ein Hochhaus erschien, ein sehr schönes klassisches Stück mit. Viel Jubel und Applaus für ihn waren die Folge.
Und dann kam plötzlich die überraschende Wende des Abends: es wurde aufgestanden und mitgezappelt! Alle! Und plötzlich war auch Herr WMF im (kleinen) Getümmel vor mir verschwunden. Er musste wohl plötzlich was in der Hose gehabt haben, denn das Hüpfen von ihm hörte erst nach dem Konzert wieder auf. Wahrscheinlich Kakerlaken von dem Angegrauten...
Auch mich zog es nach vorne, und man konnte auch deutlich besser sehen. Die Bandmitglieder sind wohl schon über 50 und faltig! Und noch so fidel wie vor 30 Jahren! Es ging richtig gut ab. Und dann nahm ich mein Anfassgerät (iPod Touch) aus der Tasche, aktivierte die Applikation „Feuerzeug“ und schwenkte mein virtuelles Feuerzeug im Takt der Musik. Herr WMF tat selbiges mit seinem beleuchteten Handy. Warum? Fragt ihn selbst.
Nach etlichen Zugaben und dem zum zweiten Mal gespielten Titel „Flieger, grüss mir die Sonne“ traten dann Orchester und Extrabreit endgültig ab. Ich vermute, dass der Hausmeister sie nicht mehr auf die Bühne lies (Stichwort Feierabend), da uns die Jungs höchst motiviert den kompletten Abend bespasst hatten. Aber es wurde hell im Saal, und so verliesen wir die Stadthalle glücklich und vollgepumpt mit Adrenalin. Und Ohrstöpseln.
Ich denke noch mit Grauen an den mit Ohrstöpseln vollgestopften Colt (Innenausstattung rot, Schaltknauf Penisleder) zurück. Man konnte auf der Rückfahrt kaum noch was erkennen, nach jeder Kurve und jedem Bremsvorgang hingen die Dinger überall! Ich hoffe, Herr WMF treibt damit kein Schindluder. Fotografiert hat er sie schon, ich sah ein Bild.
Nachdem ich Herrn WMF auf dem Pendlerparkplatz absetzte, fuhr ich in Richtung McDonalds und kaufte -statt des vorher angekündigten Eises- noch ein Los Wochos Menü mit Cola ohne Eis und Frittten. Maxi. Jalapenos mit bai. Leckerst. So schön kann ein wundervoller Abend beendet werden.
Und Herr WMF hat massgeblich dazu beigetragen...
iPod
vor 15 Jahren
