Wir waren verabredet. Wir, das sind meine Eltern, mein Bruder mit Frau und Hund sowie meine Freundin und ich. Wir wollten ein paar schöne Stunden haben mit Kaffeetrinken (15:00 Uhr, ist in Deutschland so), Abendessen und zwischendurch ein paar alte Super-8-Filme schauen.
Also frisch ans Werk, die Reitersuppe fürs Abendessen war am Vortag durch mich erstellt worden, die Muffins (drei verschiedene Sorten) durch meine Freundin ganz frisch und dampfend, und ich brauchte nur noch die cineastische Ausrüstung aus dem oberen Stockwerk holen und aufbauen.
Leinwand war einfach, Fuss umdrehen, aufklappen, hinstellen. Leinwand (rolloähnlich) ausfahren und danach im korrekten Abstand zur Wand aufstellen. Ja, das ist wichtig, da man ja noch ans Fenster kommen muss. Dann den Tisch für den Projektor ausgeklappt, arretiert und hingestellt. Stromanschluss besorgt (Dreifachsteckdose) und den Projektor angeschlossen. Projektor auf den Tisch gestellt, Wahlschalter auf "AN", und siehe da: alles dunkel. 'Mist, Leuchtmittel defekt!' dämmerte es in mir. Tatsächlich!
Ich stellte den Leuchtmitteltyp fest, ein Halogenleuchtmittel mit 12V/100W. Sah aus wie ein normales Halogenleuchtmittel, welches in vielen handelsüblichen Halogenleuchtmittelhaltegeräten verbaut sind. Also ab in den Keller, feststellen, dass man nur noch 12V/35W da hat und sich fragen: 'Watt nu? Dies Leuchtmittel ist zu dunkelscheinig!'
Die Lösung war der verkaufsoffene Sonntag. Also um 13:00 Uhr ab zu Fernseh Berlet, dort den Fachberater "Foto" mit der Suche nach dem Leuchtmittel beauftragen und eine höfliche, aber verneinende Antwort erhalten. Das ist eine zu historische Sache, führen wir seit 20 Jahren nicht mehr. Aber er fragte, ob ich denn Foto Spelsberg kennte. Ich bejahte und beschloss, mein Glück dort zu versuchen.
Tatsächlich hatte dieses alteingesessene Lüdenscheider Fotofachspezialgeschäft offen! Omma Spelsberg meinte dann auch direkt, sie habe sowas die Tage noch im Regal liegen sehen. Und ihre Tochter (auch schon über 50 Lenze jung) fand das Leuchtmittel! Klein und unscheinbar, von Osram liebevoll in eine Umverpackung aus recyclingfähigen Karton verpackt, händigte sie mir das Leuchtmittel aus. Ich gab ihr (mehr oder weniger freiwillig) die 15,95€, die sie verlangte.
Zu allem Überfluss verriet mir Omma noch, wie man die Super-8-Filme haltbarer (=weich) hält, und zwar mit einem mit Kampfer getränkten Tuch in der Aufbewahrungsbox der Filme! Toll! Ein weiterer Tipp war, die Spannung am Projektor zu reduzieren, da gerade am Wochenende die Firmen wenig Strom nutzten und sich so im örtlichen Stromnetz mehr Ströme anhäufen (bis zu 240, sagte sie). Das wäre schädlich für diese Art von Leuchtmitteln. Soso.
Nachdem mir also soviel Gutes dort widerfuhr, fragte ich keck noch nach dem Preis für die Digitalisierung eines Super-8-Films. Und siehe da, auch darauf bekam ich eine fachgerechte Antwort: ca. 1,60€ pro Minute Film. Auf einer Spule sind immer so 20-25 Minuten drauf, und bei 12 Spulen die wir besitzen....
Ich bedankte mich und entschwand, baute daheim das neue Leuchtmittel in den 34 Jahre alten Projektor, und der Nachmittag wurde wunderschön und lustig. Zudem gabs ja auch noch lecker Essen und geistige Getränke mit bai, sodass wir uns dann am späten Abend glücklich und voller Freude voneinander verabschiedeten.
Den Projektor werde ich nun wieder gut einmotten, da die Leuchtmittel hierfür ja doch recht hochpreisig sind...
iPod
vor 15 Jahren

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